Biodiversity

Hintergrund

Fließgewässer prägen das Landschaftsbild im Gebiet des Oberrhein wesentlich und sind darüber hinaus von großer ökologischer und ökonomischer Bedeutung. Neben der Belastung durch übermäßige Nährstoffeinträge aus Landwirtschaft und Industrie, wird die Gewässerstruktur (z.B. die Struktur des Ufers oder der Verlauf des Gewässers) stark von Menschen verändert. Dies führt beispielsweise zur Zerstörung wertvoller Habitate von aquatischen Organismen oder zu einer verminderten Durchgängigkeit für wandernde Fischarten. Diese Veränderungen haben starke, negative Auswirkungen auf die Ökosystemdienstleistung (ÖSD) „Biodiversität“ von Fließgewässern. Neben der Diversität von Arten (Artendiversität), umfasst der Begriff Biodiversität auch die genetische Diversität, d.h. die Vielfalt innerhalb einzelner Arten. Eine hohe aquatische Diversität (Artendiversität und genetische Diversität) erhöht das Potential der Ökosysteme sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen (Resilienz). Dies gilt unabhängig davon, ob diese Veränderungen natürlich oder durch den Menschen hervorgerufen sind. Renaturierungen von Fliessgewässern können die Habitatqualität und die aquatische Diversität erheblich verbessern.

Arbeitsschwerpunkt

Innerhalb des Teilprojektes Biodiversity wird die aquatische Diversität u.a. in Abhängigkeit von Renaturierungsmaßnahmen untersucht. Dadurch können direkte Rückschlüsse auf den allgemeinen ökologischen Zustand der Fließgewässer in den untersuchten Schutzgebieten gezogen werden. Anhand der erworbenen Kenntnisse, werden Empfehlungen für das Management von Fließgewässern ausgearbeitet, die dem Erhalt und dem Schutz von genetischer Diversität und Artendiversität im grenzüberschreitenden Oberrheingebiet dienen. Neben dem Benthos (d.h. Tieren die im oder auf dem Gewässergrund leben), liegt ein weiterer Schwerpunkt auf der Fischfauna. Diese ist stark vom Menschen beeinflusst und stellt als Kulturgut ein Bindeglied zwischen Natur und Gesellschaft dar.

Es werden zudem die Erwartungen verschiedener Akteure an Fließgewässer erfasst. So soll sichergestellt werden, dass die im Teilprojekt erarbeiteten Managementempfehlungen zielgruppengerecht sind und dementsprechend eine hohe Wirksamkeit und gesellschaftliche Akzeptanz im gesamten Oberrheingebiet haben.

Methoden
Genetische Diversität
  • Genetische Analysen von Bachforellen und Groppen

  • Telemetrie (Passive Integrierte Transponder) markierter Fische

  • Verknüpfung und gemeinsame Analyse von genetischen Informationen und Telemetriedaten in einem Geoinformationssystem

Artendiversität
  • Monitoring der Artenzusammensetzung an verschiedenen Standorten im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen, die vier verschiedene Zustände repräsentieren:

    • Nicht-renaturiert in gutem Zustand

    • Nicht-renaturiert in schlechtem Zustand

    • Renaturiert vor weniger als fünf Jahren

    • Renaturiert vor mehr als fünf Jahren

  • Soziologische Umfrage zu den Erwartungen verschiedener Akteure gegenüber den ÖSD, die Oberflächengewässer bereitstellen

Output
Genetische Diversität
  • Inventar der genetischen Diversität von Fischen wichtiger Schutzgebiete
  • Datenbank individueller Bewegungsmuster von Fischen

  • Verständnis der Dynamik von genetischer Diversität in Raum und Zeit

Die Ermittlung der genetischen Diversität, bildet die Grundlage für das Management der Fischpopulationen, sowohl in Schutzgebieten, als auch in angrenzenden Regionen. Die Ergebnisse der Bewegungsmuster der beiden Fischarten Forelle und Groppe, fließt zudem in die Empfehlungen für das Populations- und Habitatmanagement mit ein.

Um die im Projekt ermittelten Kenntnisse in die Praxis umsetzten zu können, werden GIS-basierte Planungsinstrumente digital zugänglich gemacht. Zudem werden Strategien und Handlungsempfehlungen für Entscheidungsträger (z.B. Politik, Schutzgebietsverwaltungen) erarbeitet, welche zum langfristigen und nachhaltigen Schutz der aquatischen Biodiversität im gesamten Oberrheingebebiet beitragen.

Artendiversität

 

  • Evaluation des ökologischen Mehrwerts von Renaturierungsmaßnahmen, um Aussagen über die Resilienz (d.h. die Fähigkeit nach Störungen in den ursprünglichen Zustand zurück zu kehren) von renaturierten Ökosystemen treffen zu können

  • Erstellung eines standardisierten Protokolls, um die Bewertung von Auswirkungen der Renaturierungsmaßnahmen im gesamten Oberrheingebiet zu vereinheitlichen

  • Erfassung von Erwartungen verschiedener Akteure

Eine Bestandsaufnahme der ökologischen Qualität von Fließgewässern, dient zur Bewertung von Renaturierungsmaßnahmen von Fließgewässern im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Das im Teilprojekt entwickelte Bewertungsinstument soll dabei helfen, Renaturierungsmaßnahmen nachhaltiger zu planen. Die auf Basis der im Projekt erarbeiteten Handlungsempfehlungen für Entscheidungsträger, werden zum besseren Schutz der aquatischen Biodiversität im gesamten Oberrheingebiet beitragen.

Zusammenfassung
Kontakt

Thomas Schmidt

ECOSERV Teilprojektleitung Biodiversity – Gentische Diversität

Ökosystemforschung Anlage Eußerthal
Universität Koblenz-Landau
D-76829 Landau

 +49 (0)6341 280-31333
schmidt-th at uni-landau.de

 

Prof. Dr. Jean-Nicolas Beisel

ECOSERV Teilprojekt Biodiversity – Artendiversität

École Nationale du Génie de l’Eau et de l’Environnement de Strasbourg (ENGEES)

1 quai Koch

F-67070 Strasbourg Cedex

+33 (0)3 88 24 82 63

jean-nicolas.beisel at engees.unistra.fr